Gefühle zulassen bei Kindern – warum es so wichtig ist

Feb. 1, 2026 | 0 Kommentare

Warum wir (wieder) fühlen lernen müssen

Ich glaube, eines der größten Geschenke, die wir unseren Kindern machen können, ist dieses: dass wir ihnen erlauben, ihre Gefühle zu fühlen und auszudrücken. Ganz und unkommentiert, mit unserer stillen Präsenz. Nicht, um etwas zu lösen oder wegzumachen, sondern um da zu sein.

Wenn große Gefühle keinen Raum haben

Nach der stillen Geburt meines Sohnes Max in der 30. Schwangerschaftswoche habe ich sehr deutlich gespürt, dass meine Gefühle im Beisein anderer keinen wirklichen Raum hatten. Es gab Momente, in denen der Schmerz einfach aus mir herauswollte – laut, unkontrolliert, überwältigend.

Gleichzeitig war spürbar, dass diese großen Gefühle auch für mein Umfeld schwer auszuhalten waren. Sie machten unsicher, wirkten überfordernd und passten nicht in den Moment. Große Gefühle waren zu viel.

Also tat ich das, was viele von uns gelernt haben. Ich schluckte es runter, passte mich an und hielt mich zurück. Nicht, weil ich nicht fühlen wollte, sondern weil es sonst zu viel gewesen wäre – für die anderen.

Warum nicht das Gefühl, sondern das Nicht-Fühlen weh tut

Was ich erst viel später verstanden habe: Nicht nur das Erlebte tut weh, sondern auch das Nicht-fühlen-dürfen.

Gefühle, die keinen Raum bekommen, verschwinden nicht. Sie ziehen sich nach innen zurück, und genau dort beginnen sie, Schaden anzurichten.

In Beratungen und therapeutischen Prozessen wurde mir nach und nach bewusst, wie heilsam es ist, mit diesen Gefühlen nicht allein zu bleiben. Wie viel sich verändert, wenn jemand nicht beschwichtigt, nicht bewertet und nicht wegsieht, sondern bleibt. Still, zugewandt und ohne Eile. Dieses Gehaltenwerden verändert etwas Grundlegendes.

Was Kinder daraus lernen

Genau so geht es auch unseren Kindern. Kinder fühlen intensiv und ehrlich. Wenn sie traurig sind, wollen sie trauern. Wenn sie wütend sind, will die Wut raus. Wenn sie Angst haben, braucht auch diese Angst Raum.

Und doch geschieht im Alltag oft etwas anderes. Wir beruhigen, relativieren oder lenken ab – nicht aus Bösem, sondern weil wir es selbst schwer aushalten.

Sätze wie „Ist doch nicht so schlimm“, „Reiß dich zusammen“ oder „So schlimm war das doch gar nicht“ sollen helfen, tun es aber nicht. Sie senden eine leise, aber klare Botschaft: So, wie du gerade fühlst, ist es zu viel.

Was passiert, wenn Gefühle keinen Ausdruck finden

Gabor Maté bringt es klar auf den Punkt: Nicht das Gefühl macht krank, sondern das Nicht-Fühlen.

Gefühle, die keinen Ausdruck finden dürfen, verschwinden nicht, sondern landen im Körper. Wir funktionieren weiter, passen uns an und machen „richtig“, doch innerlich bleibt die Spannung bestehen. Irgendwann zeigt sie sich als Erschöpfung, Schlaflosigkeit, innere Leere, depressive Verstimmungen oder körperliche Symptome.

Nicht, weil wir schwach sind, sondern weil unser System nie entlastet wurde.

Wenn wir den Kontakt zu uns selbst verlieren

Wer als Kind immer wieder erlebt hat, dass die eigenen Gefühle zu viel sind, lernt früh, sich zurückzunehmen. Daraus entstehen innere Sätze wie: Ich darf das nicht zeigen. Ich muss stark sein. Ich muss funktionieren.

Mit der Zeit geht dabei etwas verloren – der Kontakt zu sich selbst, zum eigenen Bauchgefühl und zur Intuition. Viele Erwachsene sagen später: „Ich weiß gar nicht, was ich will“ oder „Ich sage Ja, obwohl ich Nein fühle“.

Maté spricht hier von Bindungstrauma, nicht weil etwas Dramatisches passiert ist, sondern weil etwas Entscheidendes gefehlt hat: Raum für echtes Fühlen.

Zwei Grundbedürfnisse von Kindern

Kinder haben zwei grundlegende Bedürfnisse: Bindung – also dazugehören und angenommen sein – und Authentizität, also sich selbst fühlen und zeigen dürfen.

Wenn ein Kind merkt, dass Wut ignoriert wird oder Traurigkeit zu viel ist, trifft es unbewusst eine Entscheidung: für die Bindung und gegen sich selbst. Kurzfristig ist das überlebenswichtig, langfristig entfremdet es uns von uns selbst.

Was wirklich hilft

Was hilft, ist nicht, Gefühle zu kontrollieren, sondern sie zu begleiten. Nicht zu bewerten, sondern dazubleiben. Nicht zu reparieren, sondern Raum zu halten – für Kinder und für uns selbst.

Wenn Gefühle gehalten werden, müssen sie nicht festgehalten werden.

Fühlen heilt

Gefühle, die ausgedrückt werden dürfen, können kommen und gehen. Gefühle, die unterdrückt werden, bleiben stecken – manchmal über Jahre, manchmal über Generationen.

Ich merke bis heute, wie herausfordernd es für mich ist, echte Wut oder tiefe Traurigkeit zu zeigen, wenn jemand anwesend ist. Der alte Gedanke meldet sich schnell: Das ist zu viel. Und genau deshalb weiß ich heute, wie heilsam es ist, wenn jemand bleibt.

Wie ich heute arbeite

Und genau das ist auch das, was ich in meinen Beratungen mache. Ich bleibe da, halte Raum und höre zu – nicht, um zu bewerten, zu beschleunigen oder zu reparieren, sondern damit Gefühle nicht mehr alleine getragen werden müssen und wieder spürbar wird, was möglich ist, wenn jemand bleibt.

Alles Liebe

Mareen

 

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Familienberatung

Mareen Kafka

Mareen Kafka

Familienberaterin & Yogalehrerin

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